Ohne Kalb nur halb: Der edle Doktor auf dem Rasen

Ein Mann mit Doktortitel und Dribbelkunst

Die schier unglaubliche Kombi von Doktortitel und Torgefährlichkeit ist bei Fußballern heute so spärlich verbreitet wie fränkischer Sauerbraten in Oberbayern. Aber unser Hans Kalb hat es vollbracht: Ein Doktor der Medizin, der auch auf dem Rasen heilende Wunder vollbrachte. In einer Zeit, in der Männer noch mit Schiebermütze zum Training kamen, hat Kalb nicht nur den Gegner kurierend umdribbelt, sondern auch die Herzen der Fans.

Über Höhenflüge und harte Landungen

Die Geschichte des Glubbs ist eine wilde, lange und manchmal auch recht holprige Fahrt. Von deutschen Meistern zu Absteigern – der Glubb steckt das durch mit der stoischen Ruhe eines fränkischen Postkutschers. Mit Kalb hatte der FC Nürnberg einen sicheren Dominator der 1920er Jahre in seinen Reihen, einen jener Leute, die wissen, dass man am besten Bier in beiden Händen hält – zumindest, wenn man in einer Erfolgssaison steckt...

Oder vielleicht auch in einer dieser Saisons, in denen der Rasen im Frankenstadion vor lauter Tränen der Fans schon anfängt, sich zu kräuseln. Es sind jene Momente des Fallens und wieder Aufstehens, die uns Fans zusammenschweißen und mit einem soliden fränkischen 'Bassd scho' von einer Enttäuschung zur nächsten Hoffnung tragen.

Fränkische Lebensphilosophie in Reinform

Manchmal frage ich mich: Waren es die Höhenflüge in den Zwanzigern, die unseren Glubb so geerdet haben wie ein Baum im heimischen Lorenzer Reichswald? Oder ist es vielleicht die fränkische Mentalität, die uns alle Fehler immer wieder großzügig verzeiht – mit einer herzlichen Entschuldigung à la 'Basst scho', verbunden mit der frenetischen Unterstützung unserer Elfer, egal wie sehr der Ball am Ende des Tages die Latte küsst.

Dr. Hans Kalbs Erbe ist mehr als nur seine eindrucksvolle Liste von Trophäen in der Vitrine am Valznerweiher. Er steht für die unausgesprochene Weisheit des fränkischen Fußballs: Jeder Misserfolg wird mit einem Schmunzeln quittiert, denn jedem Abstieg folgt unweigerlich ein Aufstieg. Irgendwie, irgendwann – das ist das unerschütterliche Mantra eines Glubb-Fans.

Ein Herz für den Glubb und die Wohlwollen der Nachwelt

In einer Welt, die immer hektischer, lauter und auch ein bisschen größenwahnsinniger wird, ist es gut zu wissen, dass es Figuren wie Dr. Hans Kalb gibt – ein kleines Stückchen Fußballgeschichte, das jedem Glubb-Fan ein augenzwinkerndes Lächeln aufs Gesicht zaubert. Denn wenn es jemand schafft, den Glubb-Wahnsinn in Worten und Taten zu verkörpern, dann war es der flinke Doktor von der Noris mit seinen intelligenten Dribblings und sanften Lehrerhänden.

Und so bleibt am Ende der fränkisch-gefüllten und typisch langen Fußballnacht die Erkenntnis: Ohne Kalb war der Glubb nur halb. Aber mit seiner Geschichte im Gepäck kann man sicher sein, dass jeder Fan auch beim nächsten Anpfiff wieder da sein wird, bereit, neue Kapitel der rot-schwarzen Saga zu schreiben. Hasta la definitiva subida, Glubb!